Blutuntersuchungen:

Rhesusfaktor

Zu Beginn der Schwangerschaft werden die Blutgruppe der Mutter und der Rhesusfaktor bestimmt.
Die Roten Blutkörperchen tragen die Blutgruppenmerkmale A, B, AB oder 0 (=weder A noch B) sowie zahlreiche Untergruppen auf ihrer Oberfläche. Die bekanntesten Untergruppen sind die sog. Rhesus-Faktoren: C oder c, D oder d, E oder e.
Das Vorhandensein von "D" gilt als "Rhesus-positiv", das Fehlen von "D" gilt als "rhesus-negativ".
Ist die Mutter Rhesus-negativ und das Kind Rhesus-positiv (Erbanlage des Vaters), kann das mütterliche Immunsystem bei Kontakt mit dem kindlichen Blut, meist unter der Geburt, Antikörper gegen die Bluteigenschaft "Rhesus-positiv" bilden. Da ist aber das Kind schon geboren. Kritisch wird es in der nächsten Schwangerschaft, wenn das nächste Kind ebenfalls Rhesus-positiv ist und das Immunsystem der Mutter dies schon in der Schwangerschaft bemerkt und Antikörper gegen die kindlichen Roten Blutkörperchen zu bilden beginnt.
Daher erhält jede Rhesus-negative Mutter, die ein Rhesus-positives Kind gebärt, eine Rhesus-Prophylaxe. Dies ist nichts anderes als die Gabe von Rhesus-Antikörpern, die die körpereigene Rhesus-Antikörper-Produktion verhindern.
Sicherheitshalber erhalten alle Rhesus-negativen Schwangeren in der 26.-28. Schwangerschaftswoche (wenn die kindliche Blutgruppe ja noch nicht bekannt ist) eine derartige Rhesus-Prophylaxe, ebenso alle Rhesus-negativen Frauen, die eine Fehlgeburt erleiden.

Antikörper-Suchtest

Außer im Rhesus-System gibt es zahlreiche weitere Blutgruppen-Eigenschaften. Mit dem Antikörper-Suchtest wird allgemein nach Antikörpern gegen solche Blutgruppeneigenschaften gesucht. Sicherheitshalber erfolgt in der 2.Schangerschaftshälfte eine Kontrolle.

Röteln-Immunität

Röteln ist eine an sich harmlose Kinderkrankheit, die eine lebenslängliche Immunität hinterlässt. Tritt jedoch eine Röteln-Erstinfektion in der Schwangerschaft auf, kann dies zur Fehlgeburt oder Schädigungen des Innenohres oder des Auges des Kindes führen. Das Schädigungsrisiko ist besonders hoch in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten. Aus diesem Grunde werden Schulkinder gegen Röteln geimpft, damit sie schon früh Antikörper gegen das Röteln-Virus bilden.
Früher wurde die Höhe der Antikörper im Röteln-HAH gemessen: Je höher der Wert ist, desto höher ist der Antikörperspiegel im Blut. Werte über 1:16 gelten als positiv (= Schutz vorhanden), Werte unter 1:8 gelten als negativ (= kein Schutz vorhanden). Heute sind moderner Methoden im Einsatz. In Zweifelsfällen müssen zusätzliche Laboruntersuchungen herangezogen werden.
Heute gelten 2 im Impfpass dokumentierte Impfungen als ausreichender Schutz.

Lues-Suchreaktion, HIV-Test

Hier wird auf Lues (=Syphillis) untersucht, da eine unerkannte Syphillis zu schweren Schädigungen des Kindes führen kann. Diese Erkrankung kann gut mit Penicillin behandelt werden und ist heute selten geworden. Jede Schwangere hat das Recht (aber nicht die Pflicht!), sich auf HIV untersuchen zu lassen, da dies weitreichende Auswirkungen auf das weitere Leben haben kann. Eine spezifische Therapie gibt es derzeit noch nicht, durch bestimmte Medikamente und Entbindung durch Kaiserschnitt lässt sich aber die Übertragung des HI-Virus auf das Kind deutlich reduzieren.

Zuckerbelastungs-Test

Erhöhte Blutzuckerwerte führen zu einem übermäßigen Wachstum des Kindes, was bei der Geburt Probleme bereiten kann (zu großes Kind, erhöhte Kaiserschnittrate, Placentainsuffizienz, Anpassungsschwierigkeiten nach Entbindung u.a.). Daher ist die Untersuchung der Schwangeren auf Gestations-Diabetes (erhöhte Zuckerwerte in der Schwangerschaft) zwischen der 24. und 28. SSW neu eingeführt worden.
Bedauerlicherweise nur als Kurztest: Sie erhalten von uns 200 ml Saft mit 50 g Glucose (dazu brauchen Sie nicht nüchtern zu sein), nach einer Stunde wird der Blutzucker kontrolliert. Liegt dieser Wert über 135 mg/dl, muss ein 2-Stunden-Bluctzucker-Test durchgeführt werden. Dazu müssen Sie nüchtern kommen (Nüchtern-Wert), erhalten 300 ml Saft mit 75 g Glucose, dann kontrollieren wir den Blutzucker nach 1 und nach 2 Stunden.

Chlamydien-Test

Chlamydien sind Mikroorganismen, die im Muttermund eine chronische Entzündung unterhalten können. Man nimmt an, dass dies die Ursache vorzeitiger Wehen oder gar von Neugeborenen-Infektionen sein kann. Werden diese Erreger nachgewiesen, müssen sie mit Antibiotika über ca. zwei Wochen behandelt werden, ebenso der Partner.

zurück zur vorigen Seite