Hormonsubstitution und Mammakarzinom

Erläuterung zur Stellungnahme der Kommission Hormontoxikologie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, Dezember 2000

Die vorliegenden epidemiologischen Studien über Zusammenhänge zwischen Hormonsubstitution im Klimakterium und Postmonopause und der Häufigkeit von Mammakarzinomen lassen eine einheitliche definitive Aussage nicht zu. Fasst man alle Studien zusammen, so liegt das relative Risiko zwischen 0,7 und 1,4, d.h., einige Autoren finden ein erhöhtes, andere ein erniedrigtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.

Die einzige Re-Analyse aller bis 1995 vorliegenden Studien zeigt eine geringe, aber signifikante Erhöhung des Vorkommens von Mammakarzinomen in Abhängigkeit von der Einnahmedauer von Östrogenen oder Östrogenen plus Gestagenen. Dies zeigt die folgende Grafik:

Von 1000 70-jährigen Frauen, die keine Hormone eingenommen hatten, erkranken 63 an Brustkrebs. Hatten sie 5 Jahre lang Hormone eingenommen, sind es 2 mehr. Hatten 1000 Frauen 10 Jahre lang Hormone eingenommen, erkranken 70 an Brustkrebs - also eine geringe Steigerung um 7/1000.

Dies liegt in dem gleichen Bereich wie bei zeitlich verlängertem natürlichen Östrogeneinfluss , z.B. infolge einer frühen Menarche oder einer späten Menopause. Das Risiko nimmt innerhalb von 2 bis 5 Jahren nach Absetzen wieder ab und liegt dann in der gleichen Größenordnung wie bei Frauen ohne Hormonersatztherapie. Dies lässt den Schluss zu, dass Östrogene das Wachstum eines bestehenden Karzinoms fördern können, es aber nicht auslösen. Daher können Östrogene nicht als Karzinogene bezeichnet werden.

Andererseits zeigt sich hier auch wieder, wie Statistiken verschieden interpretiert werden können: eine Steigerung von 63/1000 auf 70/1000 kann man als Steigerung um 7 Promille, aber auch als Steigerung um 11 Prozent angeben!

Gegenüber dieser geringgradigen Erhöhung zeigen nahezu alle Studien, die die Sterblichkeit an Mammakarzinomen erfasst haben, eine deutliche Erniedrigung der Sterblichkeit, wenn das Karzinom unter Hormonbehandlung diagnostiziert worden ist. Für diese günstigere Prognose können folgende Faktoren zur Erklärung herangezogen werden:
o Der Differenzierungsgrad ist höher und die Tumoren sind biologisch weniger aggressiv.
o Die Zahl der metastasierten Karzinome ist geringer.
o Wegen der engmaschige Überwachung von Patientinnen unter Hormonsubstitution werden die meisten Karzinome in einem früheren Stadium diagnostiziert. Frauen mit Hormontherapie gehen häufiger zur Kontrolle als Frauen ohne Therapie - wer nicht untersucht wird, ist -scheinbar- gesund. (Vergleich BSE: solange in Deutschland nicht getestet wurde, war Deutschland BSE-frei!)

Aus all diesen Gründen ist die Sterblichkeit infolge Brustkrebs, der während einer hormonellen Substitutionsbehandlung festgestellt wurde, in den meisten Studien geringer als bei Frauen, die keine hormonelle Substitution erhalten haben. Erklären kann man dies also damit, dass die östrogenabhängigen Karzinome unter Hormonsubstitution schneller, aber auch kontrollierter wachsen und daher in einem weniger aggressiven Stadium erkannt werden.
Diese Zusammenhänge zwischen Hormonsubstitutionsbehandlung und Mammakarzinom müssen bei der Beratung von Frauen hinsichtlich einer hormonellen Substitutionsbehandlung angesprochen werden. Insbesondere sollten auch die Vorteile einer Hormontherapie auf den Knochenstoffwechsel, die Elastizität und Durchblutung der Haut und Schleimhäute, die positiven Auswirkungen auf Blutdruck und Fettstoffwechsel und nicht zuletzt die psycho-vegetativen Wirkungen nicht unerwähnt bleiben.

zurück zur vorigen Seite